Wegweiser 08/2025

Quelle: Canva KI-generiert

Als Religionslehrerin gebe ich normalerweise keine Hausaufgaben. Es gibt wenig Stoff, der durch Übung zuhause gefestigt werden kann wie z.B. in Mathe oder in den Fremdsprachen. Aber auch meine Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Fächern überlegen sich immer öfter, ob das überhaupt noch Sinn macht. Der Grund dafür ist KI – Künstliche Intelligenz. Schülerinnen und Schüler sparen sich die ungeliebte Arbeit am Nachmittag und lassen sie stattdessen durch ChatGPT oder andere KI erledigen – die kann das sowieso besser. 
Nun ist es nicht so, dass ich eine totale Gegnerin der KI wäre, ich nutze die eine oder andere Möglichkeit selbst – so z.B. beim Erstellen des Titelbildes für diesen Wegweiser. Es gibt ja auch wirklich eine ganze Menge Dinge, die die Computer-Intelligenz richtig gut beherrscht: Erstelle mir ein Rezept mit den Resten aus meinem Kühlschrank. Erkläre einen theologischen Sachverhalt so, dass ihn auch meine Schülerinnen und Schüler verstehen. Und viele andere Anwendungen mehr. 
In Zeiten, in denen viele Menschen sich nicht nur Bewerbungsschreiben, sondern auch die Texte für Trauerkarten oder vielleicht sogar Liebesbriefe von ChatGPT schreiben lassen, geht eines schnell verloren: der persönliche Stil.
Vielleicht hätte ich diesen Text auch von einer KI schreiben lassen können, vielleicht hätten Sie ihn dann auch ganz gut gefunden, vielleicht sogar besser. Dennoch schreibe ich eben so, wie ich bin, wie ich mich fühle, wie ich mich ausdrücken möchte. In meine Texte fließt meine Individualität ein, das, was mich auch von anderen unterscheidet. 
Gott sagt zu uns: „Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände“ (Jes 49,16). Er hat jeden und jede einzelne von uns geschaffen als ganz besondere Menschen mit einzigartiger Persönlichkeit. Das kann durch eine KI nicht eingeholt werden. Keine KI der Welt kann meine Gefühle, meine Stärken und Schwächen nachempfinden und in die Worte einfließen lassen, die ich schreibe. 
Ich denke, es ist ganz wichtig, gerade diese Ausdrucksfähigkeit, die uns von Gott geschenkt ist, zu pflegen und weiter auszubauen. Die Sprache verbindet uns Menschen untereinander, sie lässt uns teilhaben an den Gedanken anderer. Vielleicht haben Sie ja Lust, mal wieder jemandem zu schreiben, und sei es nur eine Postkarte – mit ihren eigenen Worten.
Anja Dörner, Pastoralreferentin
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Anja Dörner

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